Wir, die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, sind der Auffassung, dass sich die Nationalparkstadt Waldeck an dem europaweiten Kunst- und Erinnerungsprojekt „Stolpersteine“ beteiligen sollte, da es heute wichtiger denn je ist, an die Verbrechen des Nationalsozialismus zu erinnern.
Die Stadtverordnetenversammlung der Nationalparkstadt Waldeck hat bereits in ihrer Sitzung am 30. Januar 2024 ihr Bekenntnis zu Waldeck als einer toleranten, offenen, bunten und vielfältigen Stadt bekräftigt. Dieses Bekenntnis zu Vielfalt und Toleranz sollte auch durch die Beteiligung am Projekt „Stolpersteine“ sichtbar werden und mit Leben erfüllt werden. Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus ist ein wichtiger Bestandteil unserer gemeinsamen Verantwortung für eine demokratische, freiheitliche und menschenwürdige Gesellschaft.
Da es immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gibt, die ihre Erlebnisse persönlich schildern können, liegt es in unserer Verantwortung, die Erinnerung an die Opfer lebendig zu halten. Erinnern bedeutet zugleich, die Würde jedes einzelnen Menschen zu achten und deutlich zu machen, wohin es führen kann, wenn Menschen diese Würde abgesprochen wird.
Die Stolpersteine machen Geschichte unmittelbar vor unserer Haustür sichtbar. Sie erinnern an Menschen aus unserer Stadt und unserer Gemeinde, die verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Dadurch wird deutlich, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht nur an weit entfernten Orten geschahen, sondern auch unsere unmittelbare Nachbarschaft betrafen. Hinter jedem Stolperstein steht ein Mensch mit einer eigenen Lebensgeschichte, dessen Leben gewaltsam ausgelöscht wurde.
Die Nationalsozialisten teilten Menschen willkürlich in vermeintlich „wertvolles“ und „lebensunwertes“ Leben ein. Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, politische Gegner, homosexuelle Menschen und viele andere wurden nicht mehr als gleichwertige Menschen angesehen. Diese Entmenschlichung ebnete den Weg für Ausgrenzung, Verfolgung und schließlich den millionenfachen Mord. Die Stolpersteine erinnern uns daran, dass die Menschenwürde niemals von Herkunft, Religion, Gesundheit, Überzeugung oder anderen persönlichen Merkmalen abhängig gemacht werden darf.
Gerade heute besitzt diese Botschaft eine besondere Aktualität. Auch in unserer Zeit werden Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion, Hautfarbe, sexuellen Orientierung oder anderer Merkmale ausgegrenzt, pauschal abgewertet oder als weniger wert dargestellt. Zwar sind diese Entwicklungen nicht mit den Verbrechen des Nationalsozialismus gleichzusetzen; sie verdeutlichen jedoch, wie gefährlich es ist, wenn Menschen nicht mehr als gleichwertig angesehen werden. Die Stolpersteine mahnen uns deshalb, jeder Form von Antisemitismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und Extremismus entschieden entgegenzutreten.
Die Stolpersteine würdigen die Opfer, indem sie ihre Namen und Schicksale vor dem Vergessen bewahren. Sie erinnern uns daran, dass die Würde jedes Menschen unantastbar ist und niemals willkürlich durch eine Mehrheit oder eine Regierung infrage gestellt werden darf. Auf diese Weise leisten sie einen wichtigen Beitrag dazu, dass sich die Verbrechen der Vergangenheit nicht wiederholen und das Leitmotiv „Nie wieder“ mit Leben erfüllt wird.
Die Beteiligung der Nationalparkstadt Waldeck soll insbesondere darin bestehen, interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie weitere engagierte Personen bei der Umsetzung des Vorhabens organisatorisch zu unterstützen. Dazu gehört insbesondere, sie bei den erforderlichen Abstimmungen und Genehmigungsverfahren zu begleiten und das Vorhaben wohlwollend zu unterstützen.
Die Kosten für die Herstellung und Verlegung der einzelnen Stolpersteine sollen grundsätzlich nicht aus dem städtischen Haushalt getragen werden, sondern durch Familien, Vereine, Gruppen sowie weitere engagierte Bürgerinnen und Bürger finanziert werden, die sich für Demokratie, Freiheit und Menschenwürde einsetzen und jede Form von Rassismus, Antisemitismus sowie Fremden- und Menschenfeindlichkeit ablehnen. Damit wird zugleich deutlich, dass die Erinnerungskultur eine gemeinsame Aufgabe der gesamten Stadtgesellschaft ist.
Mit dieser Unterstützung setzt die Nationalparkstadt Waldeck ein sichtbares Zeichen für Vielfalt, Toleranz, Demokratie und Menschenwürde. Zugleich bekräftigt sie ihr bereits am 30. Januar 2024 erklärtes Selbstverständnis als tolerante, offene, bunte und vielfältige Stadt.
